{"id":2194,"date":"2017-09-14T11:29:59","date_gmt":"2017-09-14T09:29:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.milkandhealth.com\/?p=2194"},"modified":"2017-09-14T11:29:59","modified_gmt":"2017-09-14T09:29:59","slug":"dreck-reinigt-den-magen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.milkandhealth.com\/de\/2017\/09\/14\/dreck-reinigt-den-magen\/","title":{"rendered":"Dreck reinigt den Magen"},"content":{"rendered":"<h3>Nature of nurture<\/h3>\n<p>Bei Asthma und Allergien handelt es sich vielmehr um ein Umgebungsproblem (nurture) und nicht so sehr um ein genetisches Problem, das kann man darauf zur\u00fcckf\u00fchren, dass in den letzten 30-40 Jahren, also in weniger als einer Menschengeneration, Allergien und Immunit\u00e4tsprobleme stark zugenommen haben. Als im Jahre 1989 die Berliner Mauer fiel, wurde erwartet, dass die Kinder aus der ehemaligen DDR st\u00e4rker unter Asthma und Allergien leiden w\u00fcrden. Die stinkende Trabbis und die Verschmutzung durch Kohlekraft wurden als wichtige Faktoren, die die Gesundheit der Kinder negativ beeinflussen w\u00fcrde, genannt. Im Vergleich von Ost und Westkindern zeichnete sich jedoch das umgekehrte Bild ab, die Kinder aus Westdeutschland litten h\u00e4ufiger unter diesen Wohlstandskrankheiten, was wahrscheinlich an der Ern\u00e4hrung und dem fortgeschrittenen Lebensstil lag. 25 Jahre sp\u00e4ter haben sich Wohlstand und Lebensstil angepasst und die Unterschiede k\u00f6nnen nicht mehr festgestellt werden. Auch wenn Afrikaner unseren Lebensgewohnheiten \u00fcbernehmen w\u00fcrden, w\u00fcrden ihre Kinder die gleichen Allergieproblemen bekommen wie Kinder aus der westlichen Welt. Als erstes in den St\u00e4dten wo der Wohlstand am gr\u00f6\u00dften ist.<br \/>\nEs gibt eine Statistik, die besagt, dass es eine Korrelation zwischen dem Bruttoinlandsprodukt eines Landes und dem Vorkommen von Asthma und Allergien gibt. Die Einsch\u00e4tzung ist, dass in den n\u00e4chsten 10 Jahren mehr al 400 Millionen Menschen in der Welt unter Asthma leiden. Allergien sind mittlerweile einer der meist verbreiteten Krankheiten bei jungen Menschen. Vor nicht einmal 100 Jahren waren allergische Probleme noch \u00e4u\u00dferst selten.<\/p>\n<p>Wie schnell sich das alles ver\u00e4ndern kann, wird auch aus einer polnischen Studie nach dem EU-Beitritt deutlich. In den kommunistischen Zeiten hatten noch 50 % aller Menschen wenn sie nicht in der Stadt wohnten, eine eigene Kuh. Innerhalb kurzer Zeit verschwand dieses Prinzip. Die Zahlen rundum der Asthma und Allergien Problematik zeigen, dass zwischen 2003 und 2012 (nur neun Jahren) der Anteil von Menschen mit einem allergischen Problem in D\u00f6rfern das gleiche Niveau wie in St\u00e4dten erreichte (ca. 20 % der Bev\u00f6lkerung). Das Niveau in den St\u00e4dten hatte sich in der gleichen Zeit kaum ver\u00e4ndert. Im Jahr 2003 tranken noch 35% der Dorfbewohner Rohmilch von ihren eigenen K\u00fchen, im Jahr 2012 war diese Zahl auf nur 9 % gesunken. Der Anteil von Menschen mit Allergieproblemen innerhalb der D\u00f6rfer lag 2009 bei 7,5% und war im Jahr 2012 auf 20 % angestiegen, genau wie in den St\u00e4dten (Sozanska et al., 2015).<\/p>\n<p>Mittlerweile wurden zwei Hypothesen aufgestellt, die eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr das bessere Immunsystem von Bauernhofkindern anbieten. Als erstes wurde die Hygiene-Hypothese von David Strachan (1989) aufgestellt. Diese Hypothese basiert auf der Aussprache: \u201ea little dirt does not hurt\u201c (Dreck reinigt den Magen), mit anderen Worten gesagt: Wir brauchen eine gewisse Menge \u201eSchmutz\u201c, Infizierung und Bakterien um uns gesund entwickeln zu k\u00f6nnen. In den letzten Jahren wird diese Hypothese best\u00e4rkt und erg\u00e4nzt durch die Mikrobiom-Hypothese. Dabei liegt der Fokus auf der fr\u00fchen Entwicklung des Kindes, die Ereignisse die sich dann zu tragen und wie pr\u00e4gend diese f\u00fcr die letztendliche Entwicklung der Darmflora und des Immunsystem sind (West et al. 2014).<\/p>\n<p>Forscher bezeichnen mittlerweile die Schwangerschaft, und deshalb die Lebens- und Essgewohnheiten der Mutter w\u00e4hrend der Schwangerschaft, als einen der einflussreichsten Faktoren und somit als erste pr\u00e4gende Phase. Ist die Mutter gesund? Wie sind ihre Essgewohnheiten und wie setzt sich ihre Nahrung zusammen? Was ist sie viel und was wenig oder gar nicht? Mit welchen Bakterien hat sie zu tun? Geburt (wo und auf welche Art und Weise) und Stillen (Dauer, Frequenz und Stillmuster der Mutter) sind die zweite Phase, die die Entwicklung des Immunsystems des Kindes pr\u00e4gt. Das Wichtige an dieser erweiterten Hypothese ist, dass dabei vor allem ein Augenmerk auf die Bedeutung der Schwangerschaft, einer normalen vaginalen Entbindung, das Vermeiden von fr\u00fchem Antibiotikagebrauch, dem Stillen und der anschlie\u00dfenden Aufnahme von Rohmilch gelegt wird. Wie fr\u00fch kommt das Kind in Kontakt mit ausreichend Bakterien aus seiner Umgebung? Deshalb wird in der DOHaD-Forschungsgruppe (Developmental Origins of Health And Disease) von Phasen im Leben gesprochen, die bei minus 9 Monate beginnen und weiterlaufen bis mindestens plus 9 Monate.<\/p>\n<p>Es wird immer deutlicher, dass die Pr\u00e4disposition f\u00fcr Asthma und Allergien in Verbindung damit steht wie sich die Darmflora im ersten Lebensjahr entwickeln konnte (Liu, 2015). Eine der ersten Studien setzte sich damit auseinander in wie weit sich die Schwangerschaft auf die Gesundheit des Kindes\/Kleinkindes auswirkt. Diese Studie wurde an Babys durchgef\u00fchrt, die im Hungerswinter (1944-1945) in Amsterdam geboren wurden. Im letzten Jahr des zweiten Weltkrieges herrschte gro\u00dfe Hungersnot. In der Studie konnte die Gesundheit verschiedener Menschen, die jeweils diesen Hungerswinter in verschiedenen f\u00f6talen Phasen (0-3,3-6,6-9 Monat der Schwangerschaft) erlebt haben, untersucht werden. Der Zeitpunkt von starker Unterern\u00e4hrung bei den schwangeren Frauen schien einen gro\u00dfen Einfluss auf das sp\u00e4tere Leben des zur der Zeit noch ungeborenen Kindes zu haben und merkw\u00fcrdigerweise auch auf das der Kindeskinder. Deshalb wird hier von einem epi-genetischen Effekt gesprochen, eine Pr\u00e4gung des Erbgutes. Epi-genetisch bedeutet also, dass es Umgebungsfaktoren gibt, die das genetische System regulieren k\u00f6nnen, also Gene ein-und ausschalten k\u00f6nnen. Auf Grund dieser Art Studien ist Aufmerksamkeit f\u00fcr die Lebens- und Essgewohnheiten der Schwangeren entstanden und weiter noch auch den BMI-status.<\/p>\n<p>Es ist einfacher davon aus zu gehen, dass das Immunsystem der westlichen Menschen immer mehr durch einander ist, als genau und mechanischen zu verstehen warum das der Fall ist. Das Immunsystem ist ein kompliziertes System und die Regulierung davon hat, deshalb mit der Komplexit\u00e4t eines Lebensstils, mit Unterst\u00fctzung in den richtigen Momenten usw. zu tun. Einige Dinge sind mittlerweile klar geworden und der Fokus richtet sich auf die sehr fr\u00fche Entwicklung eines neuen Lebens (Casaca, 2014; Hesla, 2015):<\/p>\n<ul>\n<li>der Gesundheitsaufbau eines Babys beginnt schon vor der Geburt in der Geb\u00e4rmutter und ist deshalb auch schon abh\u00e4ngig von der Ern\u00e4hrung und Lebensweise der schwangeren Frau<\/li>\n<li>die letzten Studien zeigen, dass das f\u00f6tale Immunsystem auch schon durch Endtoxine, Bakterienreste (Zellw\u00e4nde) oder ganze Bakterien stimuliert werden kann. Deshalb liegt dabei der Augenmerk auf einem reichen und diversen mikrobiellen Leben in und um die schwangere Frau (Logan et al., 2016),<\/li>\n<li>eine normale vaginale Hausgeburt, in der \u201eeigenen Umgebung der Mutter\u201c f\u00fchrt dazu, dass das Baby sofort in Kontakt kommt mit den Bakterien, die zu der gesunden Mutter geh\u00f6ren. Man spricht von einem \u00f6kologischen Bakterienimpfung von Mutter zu Kind,<\/li>\n<li>fr\u00fcher Kontakt mit normalen Umgebungsschmutz, Bakterien in der Umgebung und in der Ern\u00e4hrung spielen eine gro\u00dfe Rolle,<\/li>\n<li>Stillen, pro- und pr\u00e4biotische Ern\u00e4hrung sind wichtig (unter mehr <em>Oligosacharide<\/em>),<\/li>\n<li>Vermeiden von antibiotischen Behandlungen in der fr\u00fchen Lebensphase,<\/li>\n<li>es wurden Korrelationen festgestellt zwischen bestimmten bioaktiven Fetts\u00e4uren in der Ern\u00e4hrung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Noch einmal zur\u00fcck zum Versuch von Weston A. Price bei den Naturv\u00f6lkern. Auch wenn wir oftmals etwas absch\u00e4tzig \u00fcber die einfacheren Lebensweisen dieser Menschen denken, verweist Price darauf, dass es in ihren Kulturen eine enorme Weisheit gab. Diese wurde durch Rituale und Lebensweisen gepflegt. Es waren die gr\u00f6nl\u00e4ndischen Eskimos, die als Lebensregel hatten, dass man sich als Frau und als Mann so ern\u00e4hren musste, dass eine gesunde neue Generation entstehen kann. In einer Zeit, in der Kaiserschnitte an der Tagesordnung sind und Frauen sich k\u00fcnstlichen befruchten lassen um die Chance zu steigern schwanger zu werden, kommt nat\u00fcrlich die Frage auf ob es nicht vielleicht m\u00f6glich ist durch das Anpassen von unseren Lebens- und Essgewohnheiten die Fruchtbarkeit wieder zu verbessern. Vielleicht nicht in der ersten Generation, aber sicher in der der zweiten Generation.<\/p>\n<p><em>Foto: Bauernhofkind in Kontakt mit Tiere (V\u00f6lkleswaldhof)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nature of nurture Bei Asthma und Allergien handelt es sich vielmehr um ein Umgebungsproblem (nurture) und nicht so sehr um ein genetisches Problem, das kann man darauf zur\u00fcckf\u00fchren, dass in den letzten 30-40 Jahren, also in weniger als einer Menschengeneration, &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":755,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[161,160],"tags":[126,138,153],"class_list":["post-2194","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-asthma-und-allergien","category-gesundheit","tag-dohad-de","tag-immunitat","tag-weston-a-price-de"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.milkandhealth.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2194","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.milkandhealth.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.milkandhealth.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.milkandhealth.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.milkandhealth.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2194"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.milkandhealth.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2194\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2195,"href":"https:\/\/www.milkandhealth.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2194\/revisions\/2195"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.milkandhealth.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/755"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.milkandhealth.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2194"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.milkandhealth.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2194"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.milkandhealth.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2194"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}