{"id":2232,"date":"2017-10-06T08:05:12","date_gmt":"2017-10-06T06:05:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.milkandhealth.com\/?p=2232"},"modified":"2017-10-06T08:05:12","modified_gmt":"2017-10-06T06:05:12","slug":"was-passiert-mit-ihrer-milch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.milkandhealth.com\/de\/2017\/10\/06\/was-passiert-mit-ihrer-milch\/","title":{"rendered":"Was passiert mit Ihrer Milch?"},"content":{"rendered":"<p>Ein bekanntes Ph\u00e4nomen in der Marketingbranche ist es, dass Dinge romantisiert werden: die gro\u00dfe Milchkanne auf der Milchverpackung, die Kuh auf der Weide oder der lachende Bauer (und dann am liebsten mit Kuh, Frau und Kind dabei). Bauer sucht Frau, aber viel mehr gilt auch: Milch sucht Konsument. Der Preis der Milch wird oft dazu missbraucht um Menschen in den Supermarkt zu locken. Sie steht meistens ganz hinten im Laden, sodass erst der ganze Laden durchlaufen werden muss und man dabei ganz gewiss allen Angebote und Schn\u00e4ppchen begegnet. Dazu kommt noch, dass der Milchmarkt voll von Anbietern (Milchbauern) ist und nur wenige gro\u00dfe Monopole (Molkereien), die Milch abkaufen. Seit 2015 ist die so genannte Milchkontingentierung oder Milchquote nicht mehr g\u00fcltig und das f\u00fchrte zum bekannten Teufelskreis: Betriebsvergr\u00f6\u00dferung, Intensivierung, Erh\u00f6hung des Milchleistung der K\u00fche und einem Preisdruck nach unten. In diesem politischen Klima blieben immer weniger Bauern \u00fcber. Ein ungerechter Streit f\u00fcr die Milchbauern, der nur gel\u00f6st werden kann, wenn Sie als Konsument bereit sind den Bauern angemessen f\u00fcr seine Arbeit zu bezahlen. Auch die K\u00fche werden Ihnen dankbar sein, denn sie m\u00fcssen nicht l\u00e4nger 10.000 \u2013 12.000 Liter Milch produzieren und k\u00f6nnen wieder auf ganz normale Art und Weise grasen, drau\u00dfen.<\/p>\n<p>K\u00fche werden 2, auch manchmal 3 mal pro Tag gemolken. Die Milch wird in einem K\u00fchltank bei 4\u00b0C bewahrt. W\u00e4hrend der Bewahrung wird die Milch regelm\u00e4\u00dfig ger\u00fchrt, sodass sich nicht der Rahm an der Oberfl\u00e4che absetzt. Fr\u00fcher wurden noch in ungek\u00fchlten 30 l Milchkannen gemolken, die dann an den Stra\u00dfenrand gestellt worden und 2 mal t\u00e4glich abgeholt worden. Heutzutage wird der Milchtank meisten nur noch alle drei Tage geleert. In der Milchfabrik wird die Sahne in einer Zentrifuge von der Milch getrennt. Die fettlose Untermilch wird pasteurisiert, die Sahne homogenisiert und mit einer h\u00f6heren Temperatur pasteurisiert. Danach wird diese Sahne wieder in die Milch gemengt. Es wird standardisierte Milch mit 0,5%, 2% oder 3,5 % produziert. Sie wird verpackt und gek\u00fchlt an L\u00e4den geliefert. Seit kurzem gibt es auch Milch mit \u201aextended shelf life\u2019 (ESL-Milch), bei der mit Hilfe anderer Technologien wie Ultrafiltration oder Druck, die Milch bakteriell behandelt wird, wodurch sie noch l\u00e4nger haltbar ist: ein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) bis drei Wochen ist dann normal. Es ist ziemlich verr\u00fcckt f\u00fcr ein \u201aLebens\u2019mittel um so lange gut zu bleiben.<\/p>\n<h3>Warum pasteurisieren?<\/h3>\n<p>Das Pasteurisieren von Milch wurde anfangs des 20en JH eingef\u00fchrt um die Milch ein paar Tagen l\u00e4nger haltbar zu machen, sodass die Logistik des Milchverkaufs vereinfacht werden konnte. Pasteurisation ersetzte zu langsames K\u00fchlen oder unhygienische Zust\u00e4nde auf den Betrieben. Somit ist das Pasteurisieren eigentlich eine nachtr\u00e4gliche Korrektur der Milch, wenn der Bauer nicht hygienisch (genug) gearbeitet hat. Ein anderer Grund die Milch zu pasteurisieren war auch die Gefahr auf eine Tuberkuloseinfektion zu verkleinern. Man ging davon aus, dass es sich nur um eine zeitliche Ma\u00dfnahme handelte. Sobald das Tuberkulose wieder unter Kontrolle w\u00e4re, k\u00f6nnte man die Pasteurisierung abschaffen. Mit der Zeit kam es jedoch anders und mittlerweile kennt kaum noch jemand den Geschmack von Rohmilch.<\/p>\n<h3>Warum homogenisieren?<\/h3>\n<p>W\u00e4hrend des Homogenisierungsprozesses werden die Fettbestandteile der Milch unter gro\u00dfem Druck durch kleine Poren gepresst. So werden die gro\u00dfen Fettmolek\u00fcle verkleinert, wodurch sie nicht mehr verklumpen und in der Milch schweben bleiben. Anstelle einer Fettschicht oben auf der Milch, verteilt sich das Fett gleichm\u00e4\u00dfig in der Milch. Beinah alle Milch, auch biologische Milch, wird mittlerweile homogenisiert getrunken. Eine Ausnahme ist nur die Milch mit dem DEMETER-Label, f\u00fcr DEMETER-Milch ist Homogenisierung nicht erlaubt. Und nat\u00fcrlich ist Rohmilch nicht homogenisiert, obwohl es dabei mittlerweile auch wieder Ausnahmen gibt: die \u201aKalte Pasteurisierung\u2019.<\/p>\n<p>Ein Nebeneffekt der Homogenisierung ist das auch die Kiemen abget\u00f6tet werden. Verr\u00fcckt genug, dass mittlerweile deshalb auch von \u201aKalter Pasteurisierung\u2019 gesprochen wird, was ein verwirrender Begriff ist, denn die Milch wird nicht erhitzt, jedoch homogenisiert. Dadurch wird die Anzahl der Bakterien in der Milch viel geringer als sie normalerweise in Rohmilch ist. Es ist somit eigentlich abt\u00f6ten durch hohen Druck.<\/p>\n<p><em>Foto: Milch wird gesammelt und abgeholt, in \u00d6sterreich <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein bekanntes Ph\u00e4nomen in der Marketingbranche ist es, dass Dinge romantisiert werden: die gro\u00dfe Milchkanne auf der Milchverpackung, die Kuh auf der Weide oder der lachende Bauer (und dann am liebsten mit Kuh, Frau und Kind dabei). 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