{"id":5736,"date":"2021-05-04T11:52:56","date_gmt":"2021-05-04T09:52:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.milkandhealth.com\/?p=5736"},"modified":"2021-05-04T11:52:57","modified_gmt":"2021-05-04T09:52:57","slug":"image-weidemilch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.milkandhealth.com\/de\/2021\/05\/04\/image-weidemilch\/","title":{"rendered":"Image Weidemilch"},"content":{"rendered":"<p>Was hat es auf sich mit Weidemilch? Es gibt zwei Gesichtspunkte: das Image des Sektors und die Gesundheitsaspekte f\u00fcr die Kuh (drau\u00dfen sein, frisches Gras fressen) und den\u00a0 Menschen aufgrund der Milchfettzusammensetzung. Es gibt F\u00e4lle, wo Image und Gesundheit wirklich eins sind, aber oft ist das nicht der Fall.<\/p>\n<p>Die Bezeichnung \u201aWeidemilch\u2018 darf verwendet werden, wenn die K\u00fche mindestens 120 Tage lang mindestens 6 Stunden am Tag weiden d\u00fcrfen. Das Hauptmotiv dieser Regeln ist das Image der Tierhaltung. Die traditionelle Weidesaison ist regional unterschiedlich, liegt aber zwischen dem 1. April und dem 15. Oktober und dauert mehr als 200 Tage. Es gibt L\u00e4nder, in denen die K\u00fche viel l\u00e4nger auf die Weide gehen, und deswegen auch mehr Gras aufnehmen: Irland, Wales und insbesondere Neuseeland. Dies ist auf das g\u00fcnstige Klima f\u00fcr eine lange Grassaison zur\u00fcckzuf\u00fchren: relativ hohe Wintertemperaturen und die \u00fcber das Jahr verteilte gro\u00dfe Niederschlagsmenge. L\u00e4nder wie Neuseeland produzieren Milch anders als Amerika oder Europa. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Welt ist fixiert auf den h\u00f6chsten Ertrag pro Kuh. Das hat dazu gef\u00fchrt, dass wir in der Tierzucht K\u00fche wie Elefanten gez\u00fcchtet haben. K\u00fche, die zwar eine sehr hohe Leistung bringen, aber v\u00f6llig abh\u00e4ngig sind von Futter mit einer hohen Energiedichte, wie Silo-Mais und Kraftfutter. Anders als in Neuseeland, wo die kleinen K\u00fche nur mit Gras gef\u00fcttert werden. In Neuseeland kalben alle K\u00fche im Fr\u00fchjahr drau\u00dfen auf der Weide, danach gibt es nur noch Gras und Weiden bis sie am Ende der fast 10 Monate dauernden Saison wieder trocken gestellt werden. Gras ist das billigste Raufutter, und Gr\u00fcnland gibt es ausreichend bei der hohen Niederschlagsmenge. Neuseel\u00e4ndische K\u00fche laufen oft 1\u00bd Stunden, um von der Weide zum Stall zu gelangen. Und wieder zur\u00fcck, morgens und abends. Kraftfutter ist zu teuer. Winterfutter, wie wir es in Europa als Heu, Mais oder Silage kennen, sowie Stallungen f\u00fcr die K\u00fche sind kaum bekannt.<\/p>\n<h3>Weidegenetik und Weidemilch?<\/h3>\n<p>Weidemilch gibt es daher in Neuseeland, aber mit der deutschen Weidemilch ist es etwas anders. Europ\u00e4ische K\u00fche, wie die Holstein- oder Brownswiss-Kuh haben einen anderen genetischen Hintergrund: hoch, schmal und mager. Es sind K\u00fche, die nicht mehr nur mit Gras satt gef\u00fcttert werden k\u00f6nnen. Die Europ\u00e4ische Milchkuh, die genetisch von der amerikanischen Milchkuh abstammt, w\u00fcrde bei reiner Grasration stark abnehmen, zu viel Milch produzieren und daher wahrscheinlich schlecht fruchtbar sein. Es gibt Weidek\u00fche und Kraftfutterk\u00fche. Weidek\u00fche sind muskul\u00f6ser, kleiner und runder und k\u00f6nnen Milch aus unterschiedlicher Grasqualit\u00e4t produzieren. Kraftfutterk\u00fche ben\u00f6tigen ihre t\u00e4gliche Energiemenge aus konzentriertem Futter und Silo-Mais, dem Hauptenergiefutter f\u00fcr hochbeinige Hochleistungsk\u00fche.<\/p>\n<p>Weidemilch ist Milch mit einem bestimmten Gesundheitswert. Dieser beruht auf der Aufnahme und Verdauung von frischem Gras, und dem Verzicht auf Mais und Kraftfutter. Das Pflanzenfett im gr\u00fcnen, schnell wachsenden Gras wird in ein sehr g\u00fcnstiges Milchfetts\u00e4uremuster umgewandelt, das aus Alpha-Linolens\u00e4ure (n-3), CLAs und ihren Vorboten, Iso-Fetts\u00e4uren und auch Phytins\u00e4ure besteht. Milchfett aus schnell wachsendem Gras ist gelb, nicht wegen des gelben L\u00f6wenzahns oder gelber Butterblumen, von den sich die K\u00fche ern\u00e4hren, sondern wegen des hohen Gehalts an Beta-Carotin. Winterbutter ist blass und hart, Winterk\u00e4se ist auch blass und der K\u00e4se ist steif und oft br\u00f6ckelig. Starke Merkmale f\u00fcr eine hohe Grasaufnahme durch die Kuh sind CLAc9t11 (Rumic Acid) und der Vorbote C18:1t11 (Trans-Vaccens\u00e4ure), sowie auch ein sehr gutes Verh\u00e4ltnis der n6\/n3 Fetts\u00e4ure im Milchfett. Wenn die K\u00fche Winterfutter aus Mais, Kraftfutter, Silagegras oder Heu (zus\u00e4tzliche Energie) anstelle von fast 100% Gras erhalten, fallen diese Werte drastisch ab. Als Landwirt muss man jedoch die richtige Kuh ausw\u00e4hlen, damit eine solche Kuh ohne energiereiche Nebenprodukte \u00fcberleben kann. Eine solche Kuh gibt immer weniger Milch als eine hochbeinige Holstein-Kuh (Abb. 1).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2415\" src=\"https:\/\/www.milkandhealth.com\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Koetypen.png\" alt=\"\" width=\"709\" height=\"960\" srcset=\"https:\/\/www.milkandhealth.com\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Koetypen.png 709w, https:\/\/www.milkandhealth.com\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Koetypen-222x300.png 222w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px\" \/><\/p>\n<p><em>Abbildung 1: Links: kleiner, runderer Kuh-Typ und rechts: hochbeiniger, magerer Kuh-Typ<\/em><\/p>\n<p>Dann bleibt abzuwarten, ob es einen Unterschied macht, ob eine Kuh tats\u00e4chlich drau\u00dfen weidet oder ob sie im Stall ist und ihr in der Futterkrippe Gras angeboten wird. Echtes Weiden bedeutet, dass eine Kuh drau\u00dfen in der Sonne heruml\u00e4uft und \u00fcber ihre gesamte Haut Vitamin D3 produzieren kann, das wir im Milchfett finden. Vitamin D3 ist eines der fettl\u00f6slichen Vitamine, die f\u00fcr unsere Gesundheit wichtig sind.<\/p>\n<p>In Neuseeland und Irland stimmen das Imagekonzept und das Gesundheitskonzept \u00fcberein. Hier f\u00e4llt das Konzept der Weidemilch mit einem gesundheitsf\u00f6rdernden Fetts\u00e4uremuster zusammen. Auch extensiv gef\u00fchrte Biomilchviehbetriebe k\u00f6nnen in den Sommermonaten ein sehr gutes Fetts\u00e4uremuster produzieren, wenn man K\u00fche ausgesucht hat, die mit dem wechselnden Grasangebot umgehen k\u00f6nnen. Die heute am h\u00e4ufigsten verwendete Weidemilch stammt jedoch von K\u00fchen, die a) zu kurz im Freien sind, um gen\u00fcgend Gras aufzunehmen, manchmal eher laufen als weiden, und b) zu viel Milch produzieren, so dass der Landwirt gezwungen ist, besonders energiereiches Futter bereitzustellen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2413\" src=\"https:\/\/www.milkandhealth.com\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Folie1.jpg\" alt=\"\" width=\"720\" height=\"540\" srcset=\"https:\/\/www.milkandhealth.com\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Folie1.jpg 720w, https:\/\/www.milkandhealth.com\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Folie1-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><\/p>\n<p><em>Abbildung 2. Verlauf des CLAc9t11-Gehalts in Kuhmilch. Weidezeit (Sommer) und Stallzeit (Winter). Im Sommer wird fast ausschlie\u00dflich Gras aufgenommen.<\/em><\/p>\n<p>Die Grafik (Abb. 2) zeigt den typischen Verlauf der Weide-CLA (CLAc9t11). Proben wurden am 1. eines jeden Monats entnommen. Sobald die K\u00fche nach dem 1. April nach drau\u00dfen gehen, steigt der CLA-Gehalt langsam an. Die Milch wird zu \u201aWeidemilch\u2018. Am Ende des Sommers gibt es einen CLA-Gipfel, wenn nach der Sommerd\u00fcrre wieder neues Gras w\u00e4chst. Ab Oktober werden die K\u00fche bereits mit Heu gef\u00fcttert und nachts wieder aufgestallt. Die am 1. November entnommene Probe ist schon ein typisches Bild von \u201aHeumilch\u2018. Die CLA-Werte bleiben niedrig und unver\u00e4ndert, bis die K\u00fche im folgenden Jahr wieder auf die Weide gehen.<\/p>\n<p>Wie erntet man die \u201aSonnenqualit\u00e4t\u2018 der Sommerweide und stellt man diese Fettqualit\u00e4t im dunklen Winter zur Verf\u00fcgung? Die Landwirte stellten traditionell K\u00e4se und Butter aus den Sommer\u00fcbersch\u00fcssen her. Insbesondere Sommerk\u00e4se (goldgelbe Farbe und weiche Konsistenz) kann monatelang gelagert werden. Der traditionelle Gouda-K\u00e4se (als gereifter Lagerk\u00e4se) wird speziell im September hergestellt, dem Monat, in dem K\u00fche den h\u00f6chsten CLA-Gehalt in ihrer Milch und ein gutes Fett \/ Protein-Verh\u00e4ltnis f\u00fcr den K\u00e4se aufweisen. Sie k\u00f6nnen heutzutage auch Butter aus dem Sommer einfrieren und den ganzen Winter \u00fcber genie\u00dfen. Diese Butter ist auch deutlich gelber und weicher als die wei\u00dfe, harte Winterbutter. Fetts\u00e4uren sind im Milchfett fixiert und gehen bei der Konservierung nicht verloren, auch wenn man pasteurisierte Milchprodukte isst. In dieser Art und Weise kann das Image der Weidemilch mit den gesundheitlichen Aspekten von Weidemilch kombiniert werden. Vorausgesetzt, die K\u00fche fressen (ausschlie\u00dflich) \u201agr\u00fcn\u2018 und wurden nicht mit anderen, konservierten Produkten zu einer h\u00f6heren Milchproduktion gef\u00fcttert.<\/p>\n<p><em>Foto: Bemuskelte K\u00fche der Rasse Deutsches Schwarzbuntes Niederungsrind (DSN) grasen im Sommer auf der Weide. DSN-K\u00fche sind mit den niederl\u00e4ndischen Fries-Holland-K\u00fchen (FH) verwandt und nicht mit schwarzbunten Holstein-K\u00fchen zu verwechseln.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was hat es auf sich mit Weidemilch? Es gibt zwei Gesichtspunkte: das Image des Sektors und die Gesundheitsaspekte f\u00fcr die Kuh (drau\u00dfen sein, frisches Gras fressen) und den\u00a0 Menschen aufgrund der Milchfettzusammensetzung. Es gibt F\u00e4lle, wo Image und Gesundheit wirklich eins sind, aber oft ist das nicht der Fall. Die Bezeichnung \u201aWeidemilch\u2018 darf verwendet werden, wenn die K\u00fche mindestens 120 Tage lang mindestens 6 Stunden am Tag weiden d\u00fcrfen. 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