{"id":6100,"date":"2021-07-24T16:07:42","date_gmt":"2021-07-24T14:07:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.milkandhealth.com\/?p=6100"},"modified":"2021-07-24T16:07:56","modified_gmt":"2021-07-24T14:07:56","slug":"milchbauern-mit-bester-hygiene","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.milkandhealth.com\/de\/2021\/07\/24\/milchbauern-mit-bester-hygiene\/","title":{"rendered":"Milchbauern mit bester Hygiene"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Take home message<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Nachfrage nach Rohmilch steigt, und Rohmilch wird in mehreren L\u00e4ndern f\u00fcr den direkten Verzehr angeboten. Milchbauern, die in der Rohmilchproduktion geschult und informiert sind, k\u00f6nnen in der Regel Rohmilch mit sehr geringen Zoonoserisiken liefern.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Professionelle Rohmilchproduzenten<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Nachfrage nach Rohmilch steigt, dennoch darf in vielen L\u00e4ndern keine Rohmilch verkauft werden. In Amerika wird der Verkauf von Rohmilch innerhalb der 50 Bundesstaaten sehr unterschiedlich durchgesetzt, von liberal bis hin zu einem kompletten Verbot. In England wurde der Verkauf von Rohmilch 2019 liberalisiert, w\u00e4hrend in den Niederlanden und Skandinavien noch ein Verbot gilt. Der Verkauf von Rohmilchprodukten wie Rohmilchk\u00e4se und rohfermentierten Sauermilchprodukten ist in den Niederlanden eine Ausnahme. Deutschland kennt die Vorzugsmilch, eine frische, unbehandelte Milch die als Rohmilch im Laden angeboten wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rohmilchproduzenten m\u00fcssen sehr professionell sein, wenn es um die Aufrechterhaltung der Lebensmittelsicherheit und Milchhygiene geht. Das Wissen \u00fcber eine sichere Produktion nimmt zu und wird zwischen den Produzenten geteilt. K\u00fcrzlich beschrieb die Zeitschrift Epidemiology and Infection (Berge und Baars, 2019) die Hygiene-Ergebnisse von sehr pr\u00e4ziser hergestellter Rohmilch, die als Trinkmilch angeboten wird. Drei L\u00e4nder (Deutschland, USA und Kanada) wurden verglichen. Es stellte sich heraus, dass Rohmilch mit der gleichen Lebensmittelsicherheit hergestellt werden kann wie viele andere nicht erhitzte Lebensmittel. Die Autoren wollen mit dem Dogma brechen, dass Rohmilch &#8222;immer und grunds\u00e4tzlich gef\u00e4hrlich&#8220; ist und Milch nur nach dem Abkochen oder Pasteurisieren sicher getrunken werden kann. Bereits in den 1950er Jahren wurde die Sicherheitsstrategie f\u00fcr den Milchkonsum diskutiert, damals im Zusammenhang mit der Eind\u00e4mmung von Tuberkulose. Die Bef\u00fcrworterin von Rohmilch war Lady Eve Balfour (Mitbegr\u00fcnderin der Soil Association in Gro\u00dfbritannien). Sie glaubte, dass \u201edie Pasteurisierung ein Eingest\u00e4ndnis des Versagens darstellt. Ziel muss es sein, die auferlegte Pasteurisierungspflicht r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen, sobald die Notwendigkeit, n\u00e4mlich ungesunde K\u00fche und unhygienische Arbeit, hinter uns gelassen wird.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aufgrund der Bem\u00fchungen von Produzenten in verschiedenen Teilen der Welt (Trial and Error, Learning By Doing, Beratung von Tier\u00e4rzten) gibt es verschiedene vorbildliche Beispiele, in denen Milchviehhalter Rohmilch auf sichere Weise zum direkten Verzehr anbieten. Sie zeigen, dass sie unabh\u00e4ngig von Betriebsgr\u00f6\u00dfe oder Produktionssystem Rohmilch mit niedrigen bakteriologischen Werten produzieren k\u00f6nnen, die mit pasteurisierter Milch vergleichbar sind. Durch st\u00e4ndiges Augenmerk auf strikte Hygiene beim Melken, gute Wartung der Melkausr\u00fcstung, Kuhkontrolle, schnelle K\u00fchlung und eine l\u00fcckenlose K\u00fchlkette wird der Pasteurisierungsbedarf reduziert und das Risiko \u00fcbertragbarer Krankheiten vernachl\u00e4ssigt. Diese Rohmilch ist mindestens 7 Tage haltbar, oft auch l\u00e4nger. Das Interesse an Rohmilch und roh fermentierten Milchprodukten im Rahmen einer \u201enat\u00fcrlicheren Ern\u00e4hrung\u201c w\u00e4chst. Verbraucher suchen solche Produkte wegen Gesundheit, Geschmack, Frische, Rohheit, N\u00e4he zum Produzenten und zur Unterst\u00fctzung der lokalen Landwirtschaft. Rohmilch ist f\u00fcr viele Verbraucher wichtig, da die Pasteurisierung der Milch ihre Zusammensetzung ver\u00e4ndert und das Erhitzen der Milch mit einer Zunahme von Allergien, Heuschnupfen und Asthma in Verbindung gebracht wird. Um einen wirklich guten Kompromiss zwischen \u201eGefahren und Risiken\u201c einerseits und \u201eGesundheitsnutzen\u201c andererseits eingehen zu k\u00f6nnen, bedarf es dringend einer guten Nutzen-Risiko-Analyse des Rohmilchkonsums auf Basis der Anstrengung der Milchbauern, Milch zu produzieren, die roh verzehrt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Pioniere der sicheren Rohmilch<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Artikel beschreibt drei Beispiele der \u201egesicherten Rohmilchproduktion\u201c. Anhand der Zahlen der Deutschen Vorzugsmilch zeigt sich zum einen, wie gering die Risiken sind und zum anderen scheint es, dass auch Keime in erhitzter Milch gefunden werden (Tabelle 1). Die deutsche Aufsichtsbeh\u00f6rde BfR weist darauf hin, dass Vorzugsmilch zwar sehr sicher ist, aber kein Nullrisiko besteht. Aber darum geht es nicht in der Lebensmittelsicherheit. Ein amerikanischer Tierarzt und Rohmilchkonsument formuliert es krass, wann er behauptet, dass \u201cdas Risiko des Rohmilchkonsums viel geringer ist als das Risiko, jede Woche mit seinem Auto Rohmilch vom Hof abholen zu m\u00fcssen\u201d. Zahlen des BfR und die Zahl der Todesf\u00e4lle durch den Verzehr erhitzter, pasteurisierter Milch (Whitehead und Lake, 2018) zeigen, dass auch nach dem Erhitzen ein Restrisiko verbleibt. \u00dcbrigens zeigt sich in fast allen F\u00e4llen, dass nach einem positiven Ergebnis in der Vorzugsmilch bei einer Wiederholung der Probenahme keine zoonotischen Bakterien mehr gefunden werden. Es kann sich deswegen auch um ein falsch-positives Ergebnis handeln.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"649\" height=\"709\" src=\"https:\/\/www.milkandhealth.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/2xRohmilch.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3412\" srcset=\"https:\/\/www.milkandhealth.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/2xRohmilch.jpg 649w, https:\/\/www.milkandhealth.com\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/2xRohmilch-275x300.jpg 275w\" sizes=\"auto, (max-width: 649px) 100vw, 649px\" \/><figcaption><em>Vorzugsmilch<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>TTabelle 1. Anteil der Proben, in denen pathogene Bakterien in vier verschiedenen Milchtypen gefunden wurden. Die Milch wurde nach dem geplanten Zeitplan der deutschen BfR (Bundesanstalt f\u00fcr Risikobewertung) in den Jahren 2003-2015, beprobt.<\/em> <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td><\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">   <strong>\u00a0Milch past.<\/strong>   <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  <strong>VZM<\/strong>\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  <strong>On-<\/strong><strong>Farm<\/strong>\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">   <strong>Tankmilch<\/strong>   <\/td><\/tr><tr><td>   <strong>Zoonotische Bakterie:<\/strong>   <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  &nbsp;\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  &nbsp;\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\"><\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\"><\/td><\/tr><tr><td>\n  Salmonella\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  0.01%\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  0.00%\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  0.00%\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  0.02%\n  <\/td><\/tr><tr><td>\n  Campylobacter\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  0.00%\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  0.34%\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  0.81%\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  0.92%\n  <\/td><\/tr><tr><td>\n  &nbsp;VTEC\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  1.67%\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  0.84%\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  1.73%\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  3.39%\n  <\/td><\/tr><tr><td>\n  Listeria \n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  0.06%\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  1.17%\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  2.06%\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  2.15%\n  <\/td><\/tr><tr><td>\n  Yiersina \n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">  Keine Data   <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  0.88%\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  4.67%\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  7.81%\n  <\/td><\/tr><tr><td>\n  MRSA\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">  Keine Data   <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  2.11%\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  4.60%\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  7.42%\n  <\/td><\/tr><tr><td>\n  Brucella\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">Keine Data <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  0.00%\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\"> Keine Data <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  0.00%\n  <\/td><\/tr><tr><td>\n  Mycobacteria\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\"> Keine Data   <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\n  0.00%\n  <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\"> Keine Data <\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">  Keine Data   <\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Milch past. = pasteurisierte Milch; VZM = Vorzugsmilch; On-farm = Rohmilchprobe auf dem Bauernhof; Tankmilch = Rohmilch, die an anderer Stelle entnommen wurde<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In allen Rohmilch-Proben aus den drei Forschungsgebieten (Kanada, USA und Deutschland) werden sowohl die Keimzahl in der Milch als auch die coliformen Bakterien als Ma\u00df f\u00fcr eine gute Hygiene auf den Farmen verwendet. Die Zahlen f\u00fcr diese Parameter sind niedrig bis sehr niedrig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Foto: Melken auf dem Bauernhof der Familie Ed <\/em>Schank The Family Cow (Foto: Catharina Berge)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Take home message Die Nachfrage nach Rohmilch steigt, und Rohmilch wird in mehreren L\u00e4ndern f\u00fcr den direkten Verzehr angeboten. Milchbauern, die in der Rohmilchproduktion geschult und informiert sind, k\u00f6nnen in der Regel Rohmilch mit sehr geringen Zoonoserisiken liefern. 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